Roadtrip durch Südtirol & Norditalien: Der Gasthof Zeppichl im Meraner Land

Der zweite Teil unserer Reise führt uns weiter hinein in das wunderschöne Südtirol, um genauer zu sein: ins Meraner Land. Wir gastieren im gemütlichen Gasthof Zeppichl.
2 Aug ’16 by Sara Travel

Nach unserer köstlichen Niederkunft in der Schatzerhütte brechen wir im Regen, Donner und Hagel zu unserem zweiten Stopp auf: das Meraner Land. Ein ganz anderer Teil von Südtirol, der mir in seiner facettenreichen Art, dem (üblicherweise) herrlichen Klima und den tollen Menschen am Herzen liegt. Die Region besuchte ich bereits Anfang des Jahres mit Juli, und auf dem Weg in die Toskana erschien es nur richtig, hier nochmals einen Zwischenstopp einzulegen, und zwar im Gasthof Zeppichl.

Tja, das Wetter. Im Meraner Land scheint immer die Sonne – aber nicht an jenen Tagen im Juni. Ausgezeichnet schlechtes Timing haben wir (oder eben Südtirol) erwiesen. Die Serpentinen machen es nicht unbedingt leichter, sodass ich auf dem Weg oft von entnervten Einheimischen mit der Lichthupe malträtiert wurde. Das Navi versagte zwischenzeitlich, die Mitfahrerin musste aufgrund der Kurven trockenwürgen, der Regen vermieste uns den Ausblick.

Glücklicherweise wurden wir an einem Ort empfangen, wo wir unsere kleinen Leiden schnell wieder vergessen durften. Der Gasthof Zeppichl liegt im Ski- und Wandergebiet Pfelders, ein wunderbarer Standort für den Meraner Höhenweg. Da wir aber in saisonalen Stimmungsschwankungen gefangen waren, konnten weder das eine, noch das andere tun. Stattdessen gaben wir uns dem Müßiggang hin, den so ein Regen verlangt. Nicht zuletzt auch, weil wir jeweils ein Paar dicke Socken dabei hatten und leichte Jacken, die eher für eine herrliche Sommerbrise am mediterranen Abend, als 8 Grad im alpinen Regen geeignet waren.

ALP-Traum: Gasthof Zeppichl

Pfelders ist dafür ein guter Ort, auch wenn es regnet, und auch wenn niemand vorbeikommt (weil es regnet). Autos sind nicht erlaubt, sodass man hier wirklich in Ruhe – und wenn man so will: Einsamkeit – schwelgen kann. Da kuschelt man sich doch glatt näher an seine Begleitung (ob die nun will oder nicht). Perfekt also, um zwischenmenschliche Distanz auszukurieren, die durch Arbeit und städtischer Hektik so oft genährt wird.

Man kann dann gemeinsam durch das kleine Örtchen spazieren und sich an den tollen, alpinen Fachwerkhäusern laben. Man kann dann die Seilbahn, ein Horrorinstrument der Höhenangst namens Grünboden Express – (dem Regen zum Trotz) hoch nehmen und plötzlich von 2000 Metern Höhe aufs Passeiertal blicken. Man kann, weil das in der frischen Sommerluft (sprich: im Regen halt) so kalt und anstrengend war, natürlich auch in der Hütte vor Ort eine Frittatensuppe zu sich nehmen, und weil man Trost darüber braucht, dass die Sommerferien ohne Sommer beginnen, das ganze mit einem Kaiserschmarrn abrunden. Und weil man so tapfer war, strahlt die Sonne plötzlich aus allen Ecken, und man wandert den Weg hinab, zurück ins Tal, und pflückt dabei einen herrlichen Blumenstrauß, der die Seele in Ruhe und Frieden versetzt. Und die Sommerschuhe zu Matsch.

Der Gasthof Zeppichl dient als pittoresker Start- und Endpunkt einer solchen kleinen Wanderung. Es ist nicht nur die Gemütlichkeit, die besticht, sondern vor allem auch das Essen (und sind wir mal ehrlich: worum geht’s im Urlaub, wenn nicht ums Essen). So wie der Service herzlich und familiär ist, so ist auch das Abendessen: die typische Tiroler Küche wird traditionell für den Gast mit Liebe entworfen, und das schmeckt man. Verliebt haben wir uns Hals über Kopf in die Wildspezialitäten, so doll leider, dass kein Platz mehr für die Desserts da war (außer am ersten Abend, als wir uns den Kaiserschmarrn links und rechts noch in die Gurgel schieben mussten, weil Kasiserschmarrn MUSS man halt essen, wenn man in Südtirol ist und da lohnt sich auch die übertriebene Völlerei).

Das ist nichts für sanfte Gemüter: das Essen wiegt einen zärtlich ins wohlverdiente 22-Uhr-Koma.

Die Küche arbeitet, wie so oft in Südtirol (und wie für mich mittlerweile auch ein Qualitätsstandard ist), mit hauseigenem Fleisch. Das bedeutet auch, dass der Hof umgeben ist von Tieren. Diese Kuhglocken sind für mich ein Geräusch von purem Glück, und da ich zur Zeit auch eine kleine Sinnesumwandlung durchmache (industrielle Tierhaltung? Nein Danke!) und dem mehr Aufmerksamkeit gebe, bin ich umso dankbarer, dass ich an meinen Urlaubsorten nicht über Herkunft und Aufzucht der Tiere nachdenken muss.

Das gute Leben in Südtirol

Generell ist es so, dass ich in Südtirol oft über das bessere Leben nachdenke. Korrektur: über das gute Leben. Über das, was es braucht, um zufrieden und gut zu leben. Ich meine damit keineswegs Wohlstand, sondern die Möglichkeit, mit Liebe, Gewissenhaftigkeit und Respekt seiner Umwelt gegenüber zu leben und gleichsam diese Dinge wieder zu erfahren. Oft begegne ich Menschen hier, die sich geradezu vorbildlich an diesen Maßstäben zu orientieren scheinen, ohne das je formulieren zu müssen. Während wir Städter also grübeln, wie man nur nachhaltiger und rücksichtsvoller sein könnte, scheint es in den Bergen eine Art Automatismus dahingehend zu geben. Nicht etwa, weil alles so provinziell ist; ganz, ganz im Gegenteil. Es erscheint mir wie ein absolut moderner Gedanke, in einer Gemeinschaft zu leben, die selbstverständlich gibt, und sich nur das nimmt, was benötigt wird.

Eine grundsätzliche Nähe zur Natur und ein Verständnis gegenüber der Umwelt sind dafür ausschlaggebend. Dass nicht viele Menschen vor Ort sind, die sich um das alles kümmern, sondern dass man zusammen halten muss – auch wenn die Kräfte sich unberechenbar in Form von Lawinen oder eben Hagel und Gewitter äußern, und dementsprechend auch mal für unruhige Momente sorgen. Essentiell ist es das, was mich an der Mentalität in Südtirol so konsequent verzaubert, und das ist auch die Lehre, die man auf seine Reisen und auch zurück in die Stadt mitnehmen kann: Gemeinschaft fördert Visionen und verbindet Menschen.

Der Gasthof Zeppichl ist auch ein guter Anfang, um zu verstehen, dass man kein großes Geld für selbstangebautes, regionales Gemüse oder Fleisch vom Hof bezahlen muss (so wie es sich ja gerade in Berlin und anderen Metropolen schickt. So löblich das sein mag, so teuer sind derzeit auch die ganzen Hochklasse-Restaurants, die sich mit regionaler Kost auseinandersetzen). Trotzdem fehlt es weder an Atmosphäre noch an Geschmack. Man kann sogar sagen: die zwanglose, entspannte Art, mit größter Selbstverständlichkeit und Freude – und ohne ernährungsbewusste Gewissensbisse, wenn man mal von den Kalorien absieht – ist um einiges angenehmer, als ein steifes Dinner im Michelin-Stern-Restaurant. Vor allem wenn man – klatschnass – im Urlaub ist. Einen Wunsch will ich gegenüber unseren wunderbaren Gastgebern aber noch äußern: der Kaffee darf ruhig aus der Kaffeekanne, und nicht aus dem Vollautomaten stammen. Dann bin ich bei 100% Zufriedenheit.

Abstecher nach Meran

Und weil’s mich dann doch noch zu den Palmen zog, haben wir auf dem Weg nach Verona einen kleinen Ausflug nach Meran gemacht. Hier ist es schön, hier will ich immer, immer sein, aber leider war uns nur eine Stunde vergönnt. Hat sich trotzdem gelohnt. Wer mehr über Meran erfahren will, kann das hier tun.

Post-Scriptum

Natürlich wurde es in Südtirol genau dann schön, als wir abreisten.

Gasthof Zeppichl, Pfelders 15 I-39013 Moos in Passeier Hinterpasseier, Südtirol