Vor einigen Monaten eröffnete “endlich” der Mercedes Platz gegenüber der East Side Gallery in Friedrichshain. Ich hatte keine Erwartungen an diesen Ort, der mir schon als gigantische Baustelle und davor als absolute Brachlandschaft völlig egal war. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Die ehemalige o2 Arena, heute Mercedes Benz Arena und als “Mehrzweckhalle” (ein Wort, wie es nur Deutsche gebrauchen können) dienend, ist das Centerpiece eines neuen Entertainment-Komplex gegenüber der East Side Gallery. Ummantelt von Granit und generischen Restaurants fühlt man sich auf dem Mercedes Platz wie in einer anderen Welt. Assoziationen von Dubai, Las Vegas, aber auch vom Potsdamer Platz drängen sich auf. Artifiziell und nur von Touristen auf einen kurzen Abstecher besucht.

Das einzige, was mir gefällt: Five Guys. Die Burger sind gut, die Pommes sind auch gut. Für eine Monatsmiete erhält man qualitativ annehmbares Fast Food. Immerhin!

“Wo andere schon längst die Mall abgeschrieben haben, werden in Berlin fröhlich noch ein paar mehr gebaut.”

Trotz meiner Erschütterung über so viel dreiste Nicht-Architektur und urbane Verödung empfinde ich diese Fremdartigkeit, der man in seiner Kreuzberger Blase sonst nicht begegnet, als faszinierend. Ich fühle mich wie in einem Film.

Wo andere schon längst die Mall abgeschrieben haben, werden in Berlin fröhlich noch ein paar mehr gebaut. Schräg hinter dem Mercedes Platz ist die East Side Mall angesiedelt, ein Kaufhaus, das wirklich niemandem gefehlt hat. Aber so ist das in dieser Stadt: kein Platz ohne Mall! Endlich Starbucks, Bershka, H&M, Zara und sogar ein Bubble Tea Shop! Ich fühle mich von Gott geküsst. Über die ästhetische Vision hinter der East Side Mall müssen wir gar nicht erst anfangen, zu reden. Nicht mal Friedrichshain hat so ein scheußliches Stück Baukunst verdient.

Irgendwo habe ich gelesen, zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße solle mit der Eröffnung des Mercedes Platz nun auch eine neue Partymeile entstehen. Ich befürchte jedoch, dass sich da jemand übernommen hat. Dieser Retortenbau ist höchstens eine Totgeburt für Anwohner.

Baustelle Warschauer Straße

Man kann nur hoffen, dass der Bezirk von weiteren solcher Ausreißer verschont bleibt, und mein Kreuzberg trotz aller Gentrifizierung und so weiter wenigstens keinen Platz für so gruselige Gleichschaltung macht. Und so trennt die Berliner Mauer wieder einmal… ach, let’s not go there.

Wenigstens hat sich der Spaziergang durch Friedrichshain gelohnt – es gibt noch ein paar Orte, die schön sind. Weit weg vom Mercedes Platz.

Sonnenuntergang East Side Mall